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19.01.2018 - 04:17
Foto: Stephan Schätzl

BMW M240i Cabrio: Luftnummer am Ende der Polarität

07.01.2018, 12:15

BMW bringt das Kunststück zusammen, unter einer einzigen Modellbezeichnung so etwas wie die ultimative Polaritätenspreizung zu vereinigen. 2er heißt bei den Münchnern alles vom Kindundkegeltransportvan über die kleinen Coupés bis zum Cabrio. Und dieses legt selbst noch einen ernsthaften Spagat hin vom dieseligen Vernunftkopfauslüfter bis zum allradgetriebenen Sechszylinderjetztlassenwirsabermalrichtigkrachen- M240i. Hui, ein Spaß ist das schon, mit dem frisch gelifteten Frischluftler in Herbstlaubbraunmetallic über die Weinberge zu düsen!

Wenn einem so der Fahrtwind die Freudentränen in die Augen treibt, übersieht man direkt, dass der Innenraum ein neuer ist. Aber das ist das Leid der Interieur- Designer. Er schaut gut aus, er schaut aus, wie er in einem BMW ausschauen muss, aber keiner sagt "wow, die neu geformten Luftausströmer sind ein Wahnsinn!" oder "großartig, sie haben die Zahl der Fugen deutlich reduziert". Natürlich wurde nicht nur die Optik geschliffen, sondern vor allem auch das Infotainment modernisiert. Der optionale 8,8- Zoll- Zentralbildschirm ist jetzt ein Touchscreen. Aber weil das iDrive mit dem extrem bewährten Drehdrücksteller serienmäßig ist, muss man nicht unbedingt auf dem Display herumtapsen.

Ebenso serienmäßig ist die fix verbaute SIM- Karte, was ein ganzes BMW- Connected- Universum eröffnet (der Concierge- Service ist da nur eines von vielen Features), samt WLAN- Hotspot. Naviziele gibt man per Sprachsteuerung oder Touchpad ein - oder schickt sie vom Smartphone ins Auto. Das Telefon kann man via Android Auto oder Apple CarPlay verbinden - oder noch besser über die BMW- eigenen Möglichkeiten nutzen, die den Rahmen hier sprengen würden.

Von außen erkennt man die Frischzellenkur vor allem an der neuen Front mit den serienmäßigen Bi- LED- Scheinwerfern in sechseckigen LED- Tagfahrlicht- Ringen. Auch am Heck leuchten serienmäßig LEDs. Neue Lackfarben und Felgendesigns seien der Vollständigkeit halber erwähnt.

Der Motor im M240i ist der beste, der im Cabrio zu haben ist. Vergleichbares hat kein vergleichbares Konkurrenz- Cabrio zu bieten. Sechs Zylinder, drei Liter Hubraum, 340 PS, fette 550 Nm ab 1520/min. und ein Sound, wie man ihn sich nur wünschen kann und wie er an die guten alten Zeiten erinnert, als bei BMW sogar in einem 320i noch ein Sechszylinder steckte (heute befinden sich ja sogar bei einem 330i nur noch vier Töpfe unter der Haube). So pfeffert man in 4,6 Sekunden auf Tempo 100, bevor man bei 250 in den Begrenzer rennt. In der Praxis wesentlicher ist jedoch, dass sich das Verdeck bis 50 km/h betätigen lässt.

Traktionsprobleme kennt der Testwagen nicht, er hat Allradantrieb an Bord, ebenso die famose Achtgang- Sportautomatik. Das macht ihn zwar 1685 Kilogramm schwer, aber das merkt man ihm nicht wirklich an. Dem knackigen Sportfahrwerk und der BMW- typischen Lenkung sei Dank. Puristen können aber auch ein manuelles Getriebe und Hinterradantrieb ordern.

Assistenten gibt es sonder Zahl. Neu ist der Radartempomat mit Stop&Go, aber auch City- Notbremse bis 60 km/h oder der Selbstparker, der sich die Lücken längs bis quer bis 35 km/h sucht, sind bemerkenswert.

Bemerkenswert ist auch der Testwagenpreis, der bei knapp 80.000 Euro liegt, inklusive einem Tausender für das Herbstlaubbraunmetallic, das offiziell "Sunset Orange metallic" heißt. Viel Geld für einen Zweitwagen. Der Fairness halber sei gesagt: Das 2er- Cabrio ist ab 37.100 Euro zu haben, dann als 218i mit 136 PS.

Unterm Strich

Obwohl wir hier von einem Zweitwagen sprechen - der BMW M240i Cabrio xDrive hat für manche sicher auch das Zeug zum Hauptfahrzeug. Bei 280 bis 335 Liter Kofferraumvolumen geht sich ein Wochenendeinkauf aus, wenn man auch mal essen geht, außerdem kann man die Rücksitzlehne umklappen. Sitzen will da hinten sowieso niemand. Gut so. Bleibt mehr Platz für vergorene Mitbringsel aus den Weinbergen.

Warum?

  • Einziger Vertreter mit Sechszylindermotor in der Klasse
  • Macht einfach Spaß

Warum nicht?

  • Für 80.000 Euro ganz schön eng. Aber das ist ein Lamborghini auch - ums vierfache Geld.

Oder vielleicht …

… Audi A3 Cabriolet, Mercedes C- Klasse Cabriolet

Redakteur
Stephan Schätzl
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