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17.01.2018 - 16:08
Foto: vimeo.com/MEL Films

170.000 Morde: Virtual Reality überführt KZ- Wärter

20.12.2017, 15:28

2016 wurde einer der letzten damals noch lebenden Wärter des Vernichtungslagers Auschwitz für Beihilfe zum Mord an 170.000 Menschen zu fünf Jahren Haft verurteilt: der mittlerweile verstorbene Reinhold Hanning. Vor Gericht beteuerte der ehemalige SS- Unterscharführer seine Unschuld. Er erklärte, von seinem Posten aus nichts von den Verbrechen mitbekommen zu haben. Eine Virtual- Reality- Rekonstruktion des Lagers führte dennoch zu einer Verurteilung.

Das berichten am Prozess Beteiligte in der neuen Dokumentation "Nazi VR", die es seit wenigen Tagen kostenlos auf der Streaming- Seite Vimeo zu sehen gibt. Das Produktionsstudio MEL Films skizziert darin, wie ein Mitarbeiter des bayerischen Landeskriminalamtes (LKA) Hannings Aussage mithilfe virtueller Realität widerlegen konnte.

LKA- Mitarbeiter digitalisierte das Konzentrationslager

Wie das Virtual- Reality- Magazin "VRodo"  berichtet, reiste der LKA- Mitarbeiter Ralf Breker dafür eigens nach Auschwitz, um das Lager mit einem 3D- Scanner zu digitalisieren. Jene Teile des Lagers, die nicht mehr intakt sind, wurden mithilfe historischer Fotos rekonstruiert. Am Ende hatte Breker nach eigenen Angaben die bislang detaillierteste digitale Nachbildung des Lagers angefertigt.

Beim Prozess gegen Hanning half Brekers VR- Nachbildung des Konzentrationslagers dem Gericht, sich einen Überblick über die tatsächlichen Gegebenheiten in Auschwitz während des Kriegs zu machen. Die Simulation habe das Gericht überzeugt, dass Hanning Zeuge des Massenmords an 170.000 Juden gewesen sein musste. Seine Argumentation, er habe auf seinem Posten nichts von den Verbrechen mitbekommen, galt als widerlegt. Hanning wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Ex- SS- Mann Hanning erlebte Prozessende nicht mehr

Der ehemalige SS- Unterscharführer ging in Berufung, verstarb jedoch im Mai 2017 - noch bevor das Urteil rechtskräftig wurde. Der Prozess gegen Hanning hat dennoch Signalwirkung: Staatsanwalt Jens Rommel glaubt, mit der Virtual- Reality- Nachbildung des Vernichtungslagers noch eine zweistellige Anzahl weiterer Verdächtiger überführen zu können, die behauptet hatten, sie hätten von ihrem Posten aus nichts von den Verbrechen mitbekommen.

Im Konzentrationslager Auschwitz  hat die SS von 1940 bis 1945 unweit der polnischen Stadt Oświęcim (deutsch: Auschwitz) systematisch Menschen getötet. Nach Schätzungen des polnischen Historikers Franciszek Piper sind zur damaligen Zeit mindestens 1,1 Millionen Menschen in das Lager deportiert worden, 960.000 von ihnen waren Juden. Ein Großteil der Häftlinge wurde nicht registriert. Historiker gehen davon aus, dass sie kurz nach ihrer Ankunft in Gaskammern ermordet wurden.

Redaktion
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