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17.01.2018 - 23:07
Foto: St. Anna Kinderspital

180 Jahre im Dienste kleiner Patienten

14.01.2018, 06:00

Als erstes seiner Art und Vorreiter der modernen Pädiatrie feiert das St. Anna Kinderspital in Wien heuer "Geburtstag". Vom Krankenhaus für Arme entwickelte es sich in den vergangenen Jahrzehnten zum Ort moderner Forschung und Therapien.

Das St. Anna  wurde im Kampf gegen das Elend gegründet, seine Mitarbeiter zu Wegbereitern der modernen Kinderheilkunde. In seinem 180- jährigen Bestehen setzten die Ärzte und Pflegepersonen Meilensteine in der Entwicklung der Pädiatrie. Die meisten Krankheiten, an denen Kinder in der Mitte des 19. Jahrhunderts starben, z. B. Diphtherie, Masern, Scharlach oder Tuberkulose, stellen heute in unseren Breiten keine ernsthafte Bedrohung mehr dar. Das konnte der Militärarzt Ludwig Wilhelm Mauthner natürlich noch nicht ahnen, als er 1837 ein Kinderspital mit 12 Betten eröffnete. Hierzulande das erste seiner Art, das dritte in Europa. In dieser Zeit, in der die Kindersterblichkeit einen traurigen Höhepunkt erreicht hatte, legte er so den Grundstein für eine moderne gesundheitliche Versorgung des Nachwuchses.

1837 tappte die Medizin bei der Kenntnis des menschlichen Körpers noch ziemlich im Dunkeln, der Aderlass galt als wirkungsvollstes Mittel gegen fast alle Krankheiten. "Besonders interessant ist deshalb, dass im neuen Spital von Anfang an mit Forschung begonnen wurde. Die engagierten Mitarbeiter wollten bereits damals die Kleinsten und Ärmsten der Gesellschaft nicht nur heilen, sondern die Gründe für bestimmte Krankheiten herausfinden", berichtet der aktuelle ärztliche Leiter Univ.- Prof. Dr. Wolfgang Holter. "Heute kennt man uns vor allem als Zentrum für Kinderonkologie, wir versorgen aber auch akut erkrankte Sprösslinge als Teil des Wiener Spitalsnetzwerkes."

600 Mitarbeiter arbeiten daran, dass es jungen Krebskranken schnell wieder gut geht.
Foto: St. Anna Kinderspital

Bereits 1839 hält Mauthner Vorlesungen über Pflege gesunder Kinder und den Umgang mit Kranken. Bald genießt das Haus international einen so guten Ruf, dass Ärzte zur Fortbildung anreisen. 1850 erreicht der engagierte Arzt, dass eine "Lehrkanzel für Kinderkrankheiten" im St. Anna Spital eingerichtet wird. 50 Jahre später wird "Kinderheilkunde" erstmals ein eigenes Prüfungsfach im Rahmen des Medizinstudiums. "Die Schwerpunkte der medizinischen Versorgung haben sich in den vergangenen 180 Jahren natürlich grundlegend gewandelt - vor allem auch für Krebskranke", so Prof. Holter. "Stand ursprünglich der Kampf um das Leben dieser Kinder im Vordergrund, geht es heute um die Schaffung von Strukturen, die eine hohe Lebensqualität ermöglichen. Denn ohne Chemotherapie verstarb noch vor 40, 50 Jahren der Großteil der jungen Patienten. Heute überleben 80 Prozent. Mit den modernen Therapien werden es bald 90, irgendwann in der Zukunft werden wir die 100 Prozent erreichen. Das Erringen dieser Zahl ist etwas, das jeden Mitarbeiter im St. Anna Kinderspital antreibt."

Lebenslange Nachsorge nötig

Da es heute nicht mehr nur um Akutversorgung, sondern auch um langfristige Nachbetreuung geht, spielen die Eltern und das Umfeld eine große Rolle. Der vermehrten Einbindung der Bezugspersonen trug bereits die Erweiterung der Besuchszeiten und die Ermöglichung des Rooming- in (Aufnahme eines Elternteils in den Raum des Sprösslings) in den 1970er- Jahren Rechnung. Der Stellenwert der Pflege wurde allerdings schon Anfang des 20. Jahrhunderts anerkannt und macht auch heute einen großen Teil des Heilerfolgs aus. Pflegedirektorin Barbara Hahn: "Familienorientierte Pflege mit Information, Anleitung und Beratung in partnerschaftlicher Kooperation - nach diesen Grundsätzen agieren unsere Betreuungspersonen im multiprofessionellen Team."

Ebenfalls fortschrittlich: Die Berücksichtigung psychosozialer Faktoren als fester Bestandteil der Spitalsarbeit. Entsprechende Strukturen wurden früh aufgebaut, Psychologen, Kindergartenpädagogen, Sozialarbeiter, Kunst- und Musiktherapeuten eingestellt. "Ziel war es, eine ganzheitliche Betreuung der Kinderkrebspatienten zu ermöglichen sowie ein Miteinander von Eltern, Kindern und zuständigem Personal", bekräftigt auch Dr. Reinhard Topf, Leiter des psychosozialen Teams. "Bereits Kinder können Selbstverantwortung tragen, man muss sie nur dem Entwicklungsalter anpassen. Denn eine so schwere Krankheit zu überstehen, stellt für alle Beteiligten eine lebenslange Aufgabe dar."

Vor 180 Jahren war übrigens auch das Wohlbefinden der Ärzte noch kein Thema. Durch die Einführung der Supervision vor 20 Jahren und Entlastung durch multiprofessionelle Teams verringerte sich die Burn- out- Rate allerdings deutlich.

Dr. Eva Greil- Schähs, Kronen Zeitung

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