Willkommen
|
Facebook Twitter Google Plus
20.01.2018 - 16:07
Foto: thinkstockphotos.de

"Hart, als Zuckerkranke erwachsen zu werden"

17.12.2017, 06:00

Bettina Blanc war bei der Diagnose lediglich sieben Jahre alt. Das Leiden stellt nach wie vor eine lebenslange Herausforderung dar, mit der die Volksschullehrerin heute aber gut zurecht kommt. Als Jugendliche war das manchmal ganz anders...

"Denke ich an meine Volksschulzeit zurück, kommen mir dicke Spritzen und strenge Ernährungsvorschriften in den Sinn", erinnert sich die heute 48- jährige Bettina Blanc. "Meine Mutter musste mir das Hormon Insulin injizieren, und ich hatte sechsmal am Tag zu essen und dabei genau 12 Broteinheiten zu mir zu nehmen." Bei der kleinen Bettina wurde nämlich mit sieben Jahren Typ- 1-Diabetes festgestellt. Das bedeutete: Ihre insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse wurden durch körpereigene Abwehrstoffe, sogenannte Antikörper, zerstört.

Von einem Tag auf den anderen fühlte sich das Mädchen nicht mehr wie eine Prinzessin - "Die haben schließlich nicht mit Insulinspritzen zu kämpfen" - sondern wurde in eine Außenseiterrolle gedrängt. "Meine Mutter musste sogar mit auf die Schullandwochen fahren." Die Orientierung verlor die junge Frau dann endgültig mit Beginn der Pubertät. "Ich war ein Wildfang, hatte aber wenig ausgereifte Zukunftsperspektiven. Es gab damals auch keine Vorbilder, die mit dieser oder einer anderen chronischen Krankheit an die Öffentlichkeit gegangen wären und über ihre Leistungen gesprochen hätten", so die Wiener Volksschullehrerin. Der Teenager trug sich in dieser Zeit mit dunklen Gedanken und machte viel "Unsinn", der seinen Blutzucker gehörig durcheinander brachte.

"Erwachsenwerden ist immer schwer. Wenn man Diabetes hat, allerdings noch um einiges schwieriger", pflichtet Stoffwechselexpertin Ao. Univ.- Prof. Dr. Kinga Howorka, AKH Wien, bei. "Anfang der 1980er- Jahre gab es für die betroffenen Jugendlichen keine positiven Aussichten. Die Situation war erdrückend, weil sehr unflexibel. Wir bemühten uns, das Leben der Patienten leichter zu machen, indem wir die funktionelle Insulintherapie einführten. Es ging - und geht wie bei jeder anderen chronischen Erkrankung - darum, die Betroffenen durch spezielle Schulungen zu mündigen, eigenständigen Patienten zu machen. Wichtig: Nicht der Arzt trägt die Verantwortung, sondern jeder Einzelne für sich selbst."

Eine moderne Insulinpumpe erleichtert der Mutter von drei Kindern das Leben wesentlich
Foto: Martin Jöchl

Auch Bettina Blanc lernte durch strukturierte Gruppenschulungen langsam mit ihrer Krankheit zu leben. "Mit Anfang 20 Jahren bekam ich den Zucker endlich halbwegs in den Griff. Doch das bedeutete nicht, dass er mich in Ruhe ließ. Bei meinen drei Schwangerschaften bekam ich das besonders deutlich zu spüren: Stündlich musste ich Blutzucker messen, auch zweimal in der Nacht, außerdem fast wöchentlich ins Spital für Risikoschwangere ,pilgern‘", erzählt die quirlige Frau. "Jedes Schwangerschaftsdrittel stellte weiters unterschiedliche Anforderungen an die Zuckereinstellung. Die Geburten waren fast ein Kinderspiel dagegen!"

Prof. Kinga Howorka bei der Untersuchung
Foto: Martin Jöchl

Ihre zwei Töchter und der Sohn zeigen bis jetzt glücklicherweise keine Anzeichen, den Diabetes der Mama geerbt zu haben. "Auch wenn es schon über 40 Jahre sind - ich hadere manchmal noch immer damit, dass ich mit dieser chronischen Erkrankung leben muss", gibt sich Bettina Blanc nachdenklich. Schließlich muss sie nach wie vor oft Blutzucker messen oder bei der Ernährung aufpassen. Pizza etwa und Feiern mit üppigen Torten sind schwierig. "Jemand aus der Selbsthilfegruppe schenkte mir aber einmal einen guten Gedanken: Die Bauchspeicheldrüse ist zwar kaputt, mein Hirn aber nicht. Und das Hirn kann die Bauchspeicheldrüse mit den heutigen Medikamenten brauchbar ersetzen."

Dr. Eva Greil- Schähs, Kronen Zeitung

Kommentare  
Kommentare sortieren nach:
km_num_com
km_datum_formatiert_com
von km_nickname_text_com  
km_text_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_notify_status(Object({'object_id':km_object_id_com}))"); km_kmcom_js_end_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_delete_status(Object({'object_id':km_object_id_com, 'status':km_status_com}))"); km_kmcom_js_end_com
Antworten sortieren nach:
km_antworten_com
km_datum_formatiert_com
von km_nickname_text_com  
km_text_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_notify_status(Object({'object_id':km_object_id_com}))"); km_kmcom_js_end_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_delete_status(Object({'object_id':km_object_id_com, 'status':km_status_com}))"); km_kmcom_js_end_com
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).
Werbung
Werbung
Angaben gem ECG und MedienGesetz: Medieninhaber, Hersteller und Herausgeber bzw. Diensteanbieter
Krone Multimedia GmbH & Co KG (FBN 189730s; HG Wien) Internetdienste; Muthgasse 2, 1190 Wien
Krone Multimedia © 2017 krone.at | Impressum