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17.01.2018 - 11:39
Foto: ORF

"Liebesg'schichten"- Schöpferin Spira wird 75

15.12.2017, 09:40

Ihre Partnervermittlungssendung "Liebesg'schichten und Heiratssachen" ist mittlerweile eine Institution, derzeit wird an der 22. Staffel gearbeitet, die im Sommer 2018 im ORF ausgestrahlt wird. Unermüdlich besucht Elizabeth T. Spira die Wohnzimmer einsamer Menschen. Am 24. Dezember feiert die erfolgreiche Fernsehmacherin ihren 75. Geburtstag. Der ORF gratuliert mit einem Themenabend am Samstag.

In den seit 1997 gesendeten 21 Staffeln der "Liebesg'schichten und Heiratssachen" ließen sich in 210 Folgen insgesamt 1057 Menschen in der Sendung auf ihrer Partnersuche porträtieren. Davon fanden mehr als 272 ihr Liebesglück, insgesamt 47 Paare gaben einander sogar das Jawort, darunter auch sechs gleichgeschlechtliche Paare, die ihre Partnerschaft offiziell eintragen ließen. Auch über Nachwuchs freute man sich bereits: Bisher erblickten vier "Liebesg'schichten und Heiratssachen"- Babys das Licht der Welt.

"Elizabeth Toni Spira - Ich bin nicht wichtig"

Normalerweise rückt Spira die Herzen anderer Menschen in den Vordergrund, am Samstag steht sie selbst im Fokus: ORF 2 zeigt ab 21.55 Uhr die Dokumentation "Elizabeth Toni Spira - Ich bin nicht wichtig", in dem die Dokumentaristin der österreichischen Seele selbst tiefe Einblicke gibt. Um 22.45 Uhr folgt die Dokumentation "'Liebesg'schichten und Heiratssachen' - Das Geheimnis des Erfolgs" von Tanja Lesowsky und Jenny Rezny als "unterhaltsamer Rückblick mit soziologischen, psychologischen und philosophischen Analysen des TV- Phänomens aus heutiger Sicht". Ab 23.30 Uhr gibt es schließlich ein Wiedersehen mit "Alltagsgeschichten aus Wien", die zuletzt 1995 gezeigt wurden.

Foto: APA/ORF/MILENKO BADZIC

Vater floh als Kommunist und Jude vor Nazis

Elizabeth Toni Spira wurde am 24. Dezember 1942 in Glasgow geboren. Ihr Vater Leopold Spira, als Jude und Kommunist gleich doppelt gefährdet, war mit seiner Familie vor den Nazis geflohen und wurde nach seiner Teilnahme am spanischen Bürgerkrieg in Frankreich und England zeitweilig als "feindlicher Ausländer" interniert. Ihren ersten Vornamen (samt "z") verdankt Elizabeth Toni Spira der englischen Königin, ihren zweiten dem Decknamen ihres Vaters in der Illegalität. 1946 kehrte die Familie nach Österreich zurück.

Zuerst bei "profil", dann beim ORF

An die erste Zeit der eigenen Kindheit hat die Oral- History- Spezialistin nur wenig klare Erinnerungen. "Ich bin einmal in London im Lift stecken geblieben. Und ich bilde mir ein, dass ich mich an die Überfahrt nach Kontinentaleuropa erinnere", sagte sie einmal. Nach der Schulzeit studierte Spira in Wien Publizistik und arbeitete zunächst als Journalistin im Nachrichtenmagazin "profil": "Nachdem 'profil' an den 'Kurier' verkauft wurde, hat eine Gruppe von Journalisten gesagt: 'Für die Zuckerrübenindustrie arbeiten wir nicht!' und hat gekündigt", sagte Spira. Nachdem Claus Gatterer im ORF gerade das Magazin "teleobjektiv" gegründet hatte, wechselte Spira zum Fernsehen. "Es war kein Traum von mir, Bilder zu machen", erinnert sie sich an ihre Anfänge im ORF: "Ich habe gemeinsam mit Robert Dornhelm die ersten Geschichten gemacht. Aber er war so chaotisch wie ich. Am Abend haben wir lieber gepokert als Konzepte geschrieben."

Foto: Peter Tomschi

"Wo ich Applaus bekomme, interessiert mich nicht"

Nach zehn Jahren beim "teleobjektiv" kam der "Inlandsreport" und dort ein rasches Scheitern mit einer Geschichte über die burgenländische SPÖ. Gemeinsam mit dem Historiker Michael Mitterauer entwickelte Spira dann das "Alltagsgeschichte"- Konzept. Die Serie startete 1985, 1997 kam die TV- Partnervermittlung "Liebesg'schichten und Heiratssachen" dazu. Spira und ihr Kameramann Peter Kasperak wurden zu Quotengaranten und Fließbandarbeitern. Dabei braucht es viel Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Menschen, die vor der Kamera ihr Herz ausschütten, und beim anschließenden Schneiden des Materials. Die Verantwortung für Lacher von der falschen Seite, für jene, die ihre Sendungen als Freakshow sehen würden, weist Spira stets zurück: "Wo ich den Applaus bekomme, interessiert mich nicht", versicherte Spira einmal im "Kulturmontag".

Dass ihr Geburtstag auf den Heiligen Abend fällt, fand Elizabeth T. Spira übrigens als Kind gar nicht gut: "Obwohl wir eine jüdische Familie waren, waren wir dermaßen assimiliert, dass wir ausgerechnet an meinem Geburtstag Weihnachten gefeiert haben. Und da bei uns das Geld immer knapp war, war meinen Eltern jede Ausrede recht, Geschenke zu sparen." Also gab es etwa einen Ski als Weihnachts- und einen als Geburtstagsgeschenk. "Ich bin regelmäßig weinend auf die Straße gelaufen. Die Leute haben mich gefragt: 'Warum weinst du denn, heute ist doch Weihnachten!' Und ich habe geantwortet: 'Eben deshalb!'"

Übrigens: Für die 22. Staffel werden noch Teilnehmer gesucht, die gerne über die ORF- Sendung ihr Liebesglück versuchen wollen. Interessierte Singles melden sich schriftlich unter ORF, Kennwort "Liebesg'schichten", Würzburggasse 30, 1136 Wien, telefonisch unter (01) 581 09 78 oder per E- Mail an liebesgschichten@orf.at.

Redaktion
krone.at
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