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19.01.2018 - 04:25
Foto: Pias Music, krone.at-Grafik

Black Rebel Motorcycle Club: Gefühl im Rock'n'Roll

04.01.2018, 07:27

Nach mehrjähriger Abwesenheit kehrt der kultige Black Rebel Motorcycle Club in wenigen Tagen mit dem achten Studioalbum "Wrong Creatures" zurück. Eindringlich und emotional wie nie zuvor verarbeitet das Rock- 'n'- Roll- Trio aus Los Angeles darauf so manch überstandene private Tragödie. Frontmann Peter Hayes gewährte uns im ausführlichen Interview einen Blick hinter die Kulissen.

Als die beiden Schulfreunde Peter Hayes und Robert Levon Been vor 20 Jahren ihr erstes gemeinsames musikalisches Projekt namens The Elements gründeten, hatten sie noch keine Ahnung, dass sie zwei Dekaden später als die vielleicht größten und eventuell letzten Heilsbringer des Rock'n'Roll gelten würden. Schuld daran ist aber nicht nur die Musik, sondern auch die Attitüde des um Schlagzeugerin Leah Shapiro komplettierten Trios aus San Francisco, Kalifornien. Hayes und Been verspürten schon seit jeher die Liebe zum rebellischen Außenseitertum, deshalb erfolgte schnell die Umbenennung der Band. Der Black Rebel Motorcycle Club ist Cineasten freilich deshalb ein Begriff, weil er dem legendären 50er- Jahre- Film "The Wild One" entliehen ist, mit dem der "King Of Cool" Marlon Brando zu immerwährenden Weltruhm aufstieg.

Geschmackvolle Klangmessen

Mit Alben wie "B.R.M.C.", "Howl" oder "Beat The Devil's Tattoo" erlangte die Band über die Jahre unumstößlichen Kultstatus. Die stets in schwarz gekleideten, mit Lederjacken und tonnenweise Pomade in den Haaren ausgestatteten Musiker vermischen seit jeher kompromisslosen Garage Rock mit Punk Rock- , Blues- und partiell eingestreuten Psychedelic- Zitaten und sind seit Anbeginn ihrer Karriere gegen jegliche Formen von Trends gebürstet. Mit ziemlicher Sicherheit ist es genau diese Art von konsequenter Haltung, die den BRMC zu Helden des Undergrounds gedeihen ließ. Die Fanbase ist weltweit eine große und loyale, der man an guten Abenden auch spontane Drei- Stunden- Konzerte zuteilwerden lässt. Man feiert gemeinsam eine Messe des guten Geschmacks - stilistisch als auch musikalisch, denn so störrisch und unnachgiebig die Band nach außen hin auch wirken mag, die klangliche Perfektion ist dem Trio ein wichtiges Gut, wie uns Frontmann Peter Hayes im Interview erklärt.

"Wir versuchen immer das Beste aus uns herauszuholen und bis es soweit ist, dauert es manchmal sehr lange. Natürlich muss man die Songs irgendwann ziehen lassen, denn sonst würde man verzweifeln. Und wären wir tatsächlich komplette Perfektionisten, würden wir ohnehin nie etwas veröffentlichen." Dieser Tage erscheint mit "Wrong Creatures" das achte Studioalbum, seit dem Vorgänger "Specter At The Feast" sind beinahe fünf Jahre vergangen. Fünf Jahre, in denen Coolness, Lockerheit und Zusammenhalt der Band auf eine harte Probe gestellt wurde. Im Herbst 2014 gab die dänische Drummerin Shapiro bekannt, dass sie sich aufgrund einer seltenen Krankheit einer Gehirnoperation unterziehen musste. Obwohl alles gut ging und sie nach der Reha wieder ihre vollständigen motorischen Fähigkeiten zurückerlangte, hatte dieses einschneidende Ereignis für die Band mehr Gewicht, als man anfangs glaubte.

Durchschrittene Täler

"Ich war mir lange nicht sicher, ob es überhaupt okay sei, an Musik zu denken", reflektiert Hayes die schwierige Phase, "während Leahs Heilungsprozess kam mir alles falsch vor - die Musik im Besonderen. Für uns alle war diese Zeit ein Drama, die sich nicht ausblenden ließ." Doch nicht nur musikalisch, auch privat hatte die Krankheit nachhaltige Auswirkungen. "Wir sind alle zusammen erwachsen geworden und mehr als nur eine Band. Tragische Ereignisse wie dieses verstärken das Freundschaftsband untereinander aber erheblich, weil man für kurze Zeit den Schutz des Lebens verliert und näher zusammenrückt. Wir alle haben im Laufe unseres Lebens verschiedene Täler durchschritten, die uns als Personen und Musiker formten. Im Leben ist leider nicht immer alles lustig und manchmal muss man eine Sache einfach nur überstehen."

Mehr als je zuvor setzt "Wrong Creatures" auf emotionale, fast schon paralysierende Songs, die mehr auf die Kraft der Atmosphäre, denn auf lederjackenbehangenen Lärm setzen. Vor allem die fast schon pathetisch anmutenden Mid- Tempo- Songs "Echo" und "Haunt", die die Band übrigens bei ihrer Akustiksession im ORF- Radiokulturhaus letzten Dezember erstmals im entschlackten Korsett auf die Bühne brachte, erweisen sich als eindringliche, aber zurückgelehnte Ohrwürmer. "Ich wurde oft zitiert, dass ich mich auf diesem Album stark mit dem Thema Tod beschäftigt hätte, aber dieser Satzteil wurde aus dem Kontext gerissen", klärt Hayes auf. Es ging viel mehr darum, wie man sich selbst sieht und von anderen gesehen wird, wie sehr die Realität oft eine Vision ruiniert und was man als Mensch in einem positiv konnotierten, selbstzerstörerischen Ausmaß alles mitmacht."

Keine Retter des Rock'n'Roll

Mit den Zuschreibungen von außen haben Hayes und Co. ihren Frieden gemacht. "Worüber sich andere Gedanken machen, war mir schon immer egal. Wir haben schon früher über uns selbst gelacht, wenn man uns irgendwo als tödliches Rock- 'n'- Roll- Trio bezeichnet hat. Wir sind auch nicht die großen Retter des Rock'n'Roll, das sind diejenigen, die ihn hören. Rock'n'Roll hat für mich nichts mit Lederjacken, Gitarren und der Farbe Schwarz zu tun, es ist vielmehr eine Lebenseinstellung, die keine weitere Symbolik benötigt." Somit ist der Albumtitel durchaus eine Selbstreferenz. "Wrong Creatures" als missverstandene, manchmal auch missinterpretierte Individuen, die schlussendlich die Musiker selbst sind.

Natürlich bleibt auf dem Album trotzdem genug Platz für krachenden Garage Rock und punkiger Attitüde, doch in seinen Vierzigern angekommen, wirkt das Trio heute reflektierter und nachdenklicher. Seit 2015 schraubte man intensiv im "Bunker", wie das bandeigene Studio in North Hollywood, Los Angeles, liebevoll genannt wird. Produziert hat das Werk Nick Launay, der auch schon Alben von Nick Cave oder Arcade Fire veredelte. "Es gab sehr viele Diskussionen und Uneinigkeiten über die Ausrichtung des Albums. Ich bin mir heute nicht sicher, ob wir Nick als Band genug Freiheiten gaben, aber seine Meinung war uns wichtig. Er war verdammt geduldig, obwohl er wusste, dass mit uns zu arbeiten ein Albtraum ist, weil wir alle so meinungsgetrieben sind. Bei uns wird jedes Detail bis zum Exzess zerpflückt, aber am Ende geht es uns immer um das bestmögliche Ergebnis."

Egozentrik für die Gemeinschaftlichkeit

Dieses zu finden ist die schwierigste Aufgabe innerhalb der Band. "Am Ende ist jeder von uns der Bad Guy, weil er seine Ideen durchbringen möchte. Das war früher noch härter, doch heute wissen wir zumindest, dass wir nur überleben, wenn wir nicht immer darauf beharren, uneingeschränkt Recht zu haben. Mit steigendem Alter wird dir klar, dass es immer dein eigenes Ego ist, das im Weg steht und Probleme heraufbeschwört. Vielleicht ist diese Art von Egozentrik aber auch nur ein Zeichen, uns gegenseitig zu zeigen, wie wichtig uns Band und Musik sind. Wir schwören uns vor jedem Album, dass wir uns nicht mehr so stressen würden, aber im Endeffekt klappt das nie und alles endet wieder im kollektiven Wahnsinn." Ein kollektiver Wahnsinn, der zu kreativen Höchstleistungen führt - und zu einem sehr frühen Jahreshighlight im Unterhaltungsmusiksektor.

Redakteur
Robert Fröwein
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