Justin Gatlin
Foto: AFP or licensors

Gatlin- Doping- Skandal: Spur führt nach Österreich!

19.12.2017, 20:59

Es ist der Doping- Skandal, von dem die ganze Sportwelt momentan spricht: die Affäre um den US- amerikanischen Olympiasieger und Weltmeister- Sprinter Justin Gatlin! Und die Spuren der Geschichte führen nach Österreich, zu seinem Wettkampf- Manager Robert Wagner.

Sprint- Weltmeister Gatlin steht laut einem Bericht des "Telegraph" erneut im Zentrum einer obskuren Dopingaffäre. Eine prominente Rolle spielt dabei auch der österreichische Manager Wagner. Gemeinsam mit Gatlin- Trainer Dennis Mitchell soll er Undercover- Reportern im Trainingscamp in Florida illegale leistungssteigernde Mittel wie Testosteron und Wachstumshormon angeboten haben. Gatlin trennte sich nach dem Bericht von Mitchell, der in seiner aktiven Karriere zwei Jahre wegen Dopings gesperrt worden war. "Ich habe ihn gefeuert, sobald ich von der Sache erfahren hatte", schrieb Gatlin auf Instagram. Er wolle nicht zulassen, dass andere Lügen über ihn verbreiten. Er sei "geschockt und überrascht", betonte der 35- Jährige, der am 5. August noch einmal 100- Meter- Weltmeister geworden war.

"Ich nehme keine leistungssteigernden Mittel und habe keine genommen", beteuerte Gatlin. Allerdings wurde der Olympiasieger von 2004 schon zweimal wegen Dopingvergehen gesperrt, erstmals 2001. Als Wiederholungstäter entging er 2006 einer lebenslangen Sperre nur deshalb, weil er als Kronzeuge gegen seinen ehemaligen Trainer aussagte. Wie der "Telegraph" am Dienstag in seiner Online- Ausgabe berichtete, hatten Undercover- Reporter erstmals im Juli Wagner und Mitchell in Florida aufgesucht, um die beiden für das Training eines - fiktiven - Schauspielers zu konsultieren. Dieser sollte in einer Filmproduktion einen Läufer spielen. Im Raum stand eine Summe von 250.000 US- Dollar (rund 212.000 Euro). Wagner habe daraufhin nicht nur Trainings mit Topleuten aus der Branche in Aussicht gestellt, sondern auch die Versorgung mit Dopingmitteln. Die Treffen seien auf Videos des "Telegraph" dokumentiert.

"Eine alltägliche Situation"

Wagner habe erklärt, die Anwendung von Dopingmitteln sei eine "alltägliche Situation" und sein "Fachgebiet". Er könne auf verlässliche Ärzte in Österreich zurückgreifen und die Mittel in die USA bringen. "Ich kann ihnen das nicht öffentlich vor fünf Leuten sagen, dass wir das ständig tun. Darum geht es in der Leichtathletik." Zudem hätten der 57- jährige Oberösterreicher und Mitchell erläutert, wie man positive Tests vermeiden könne. Gegenüber dem "Telegraph" gab Wagner nun an, "nicht in Doping involviert" gewesen zu sein. Er behauptet, dass er nur angegeben habe. "Ich habe das gesagt, um sie zu beeindrucken", sagte Wagner und sprach von einem "ausgedachten Szenario". "Tatsächlich habe ich den Reportern, die danach gefragt haben, weder etwas über die Quelle noch über die Lieferung gesagt", meinte Wagner, aber "dummerweise behauptet, ich könnte das".

Foto: AP

Kontroverse Angaben

Zum Vorwurf, er habe erklärt, dass seine Kollegen verbotene Substanzen verwendeten, meinte Wagner, dessen Name schon in der Vergangenheit mehrmals im Zusammenhang mit Dopingsündern genannt wurde: "Ich habe ihr (der Undercover- Reporterin) das gesagt, um den Job zu bekommen." Er wisse nichts von einem Doping- Missbrauch durch Gatlin: "Ich bin nicht sein Manager, wie sollte ich davon wissen?" Den Reportern habe Gatlin Anfang Dezember jedoch erklärt, Wagner sei seit etwa fünf Jahren sein Wettkampf- Manager neben Gatlins langjährigem Manager Renaldo Nehemiah, Ex- Weltrekordler über 110 m Hürden. Dieser sagte nun, dass Wagner nur zwei- oder dreimal für den US- Sprinter gearbeitet habe. Das Arrangement für den Film sei ein einmaliges gewesen. Zudem sei Gatlin nicht dabei gewesen, als im Trainingscamp über die verbotenen Substanzen gesprochen wurde.

WADA ermittelt

Die Anti- Doping- Agentur der USA (USADA) und die Athletics Integrity Unit (AIU) des Leichtathletik- Weltverbandes IAAF haben inzwischen Ermittlungen in dem Fall aufgenommen, berichteten "Telegraph" und die Agentur Press Association. "Diese Behauptungen sind äußerst schwerwiegend", betonte IAAF- Präsident Sebastian Coe. Auch AIU- Chef Brett Clothier sieht ein ernsthaftes Problem: "Diese Vorwürfe sind sehr schwerwiegend und treffen das Herz der Integrität der Leichtathletik", sagte er der Press Association.

Redakteurin
Tamas Denes
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